Gesang, Gespräche und Küchendienst: das besondere Gemeinschaftserlebnis in Taizé

Nachricht Hildesheim, 15. Januar 2026

Tausende Jugendliche und junge Erwachsene reisen jedes Jahr ins französische Taizé – Pastor Lutz Krügener bietet kurz vor seinem Ruhestand im Sommer noch einmal eine gemeinsame Fahrt an

Eine Gruppe junger Menschen kommt in Taizé an. Foto: Lutz Krügener

„In Taizé ist alles anders“, sagt Pastor Lutz Krügener. Als 18-Jähriger hat er zum ersten Mal diesen Ort besucht: ein Kloster in einem kleinen französischen Dorf, jedes Jahr Treffpunkt für Tausende Jugendliche. Sein Bruder hatte es ihm empfohlen: „Ich glaube, das wird dir gefallen.“ Er hatte Recht. „Taizé war für mich ganz wesentlich. Ich wusste vorher ja gar nicht, dass ich Pastor werden will“, sagt Krügener. Mehr als 20 Mal war er inzwischen dort, allein, mit seiner Frau, als Familie und als begleitender Pastor mit Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dieses Jahr im August, ein letztes Mal vor seinem Ruhestand, will er wieder eine Reise nach Taizé anbieten.

Was Reisende erwartet, was den besonderen Zauber von Taizé ausmacht, scheint gar nicht so leicht zu erklären. „Am Anfang ist es überwältigend“, sagt Alina Clauswitz. Wie ihre Freundin Nele Rettig hat sie im Herbst 2022 und zu Ostern 2023 Taizé besucht. Die beiden 21-Jährigen wollen auch dieses Jahr im Sommer wieder dabei sein.

Erstmal ist es die Gemeinschaft so vieler junger Menschen unterschiedlicher Nationen und Kulturen, was Mitfahrende fasziniert. Dann das einfache Leben, auf das sich alle einlassen: Schlafen in Mehrbettzimmern oder Gruppenzelten, Gemeinschaftsduschen, das gleiche Essen für alle – ein Gericht mit, eins ohne Fleisch. Und alle benutzen zum Essen lediglich einen Löffel: „Damit kann man auch ein Brötchen aufschneiden“, sagt Nele Rettig.

Alina Clauswitz und Nele Rettig (von links) mit ihrer Kochgruppe bei einem Aufenthalt in Taizé im April 2023. Fotos: Clauswitz

Jeder und jede bringt sich irgendwo ein, damit das Zusammenleben funktioniert, hilft zum Beispiel in der Küche, beim Zeltaufbauen oder Empfang der nächsten Gruppen. „Das meiste wird sowieso von Ehrenamtlichen gemacht“, erklärt Alina Clauswitz, „manche sind ein ganzes Jahr dort.“ Auch eine Kneipe mit Kiosk gibt es, das Oyak, „und da ist oft so richtig Stimmung“, erzählt Krügener – obwohl niemand mehr als ein Glas Bier oder Wein bekommt.

Es gibt eine feste Tagesstruktur, eine gewisse Routine, „und trotzdem wirkt alles locker und teilweise improvisiert“, erzählen die Studentinnen. „Trotz der klaren Struktur wird das Zusammensein als sehr frei erlebt“, weiß Lutz Krügener.

Dreimal täglich ist Gottesdienst, wesentliches Element dabei ist der meditative gemeinsame Gesang. Eine Predigt gibt es nicht, dafür eine Zeit der Stille: „Wenn Tausende still werden, davon geht eine große Kraft aus“, erklärt Krügener. Eine Erfahrung, an die sich auch die Studentinnen erst gewöhnen mussten. Es geht darum, zur Ruhe zu kommen, den eigenen Gedanken zu folgen, in sich hinein zu horchen. Da können auch mal Tränen fließen - für Gespräche stehen Brüder der klösterlichen Gemeinschaft oder andere Geistliche zur Verfügung. Gespräche in kleinen Gruppen über Gott, die Welt, den Sinn des Lebens entstehen außerdem täglich nach einem Bibel-Impuls. Dabei lernen die Jugendlichen einander besser kennen, Alina Clauswitz und Nele Rettig haben bleibende Freundschaften geschlossen.

Dreimal täglich finden Gottesdienste statt. Meditative Gesänge und Zeiten der Stille schaffen eine besondere Atmosphäre. Foto: Alina Clauswitz

Die zentralen Themen der Zusammenkünfte in Taizé, sagt Pastor Krügener, seien Frieden und Versöhnung. In die Kontemplation durch Gesang und Stille finde sich jede und jeder ohne Anleitung, einfach durch Mitmachen. Und vielleicht von dort aus auch den eigenen Weg, sich im Leben einzubringen und zu engagieren. „Die zentrale Botschaft der Versöhnung und der gelebten Solidarität“, meint Pastor Krügener, „ist vielleicht genau das, was wir alle in diesen Zeiten besonders brauchen.“

Wer Interesse hat, erfährt mehr bei einem Info-Abend am Freitag, 23. Januar, von 18 bis 19.30 Uhr, im Gemeindehaus der Martin-Luther-Gemeinde, Peiner Straße 53. Informationen gibt es außerdem bei Pastor Lutz Krügener telefonisch unter 0176 70753630 oder mit Mail an lutz.kruegener@evlka.de, oder Vikarin Nora Piepenschneider, nora.piepenschneider@evlka.de. Die Reise findet vom 1. bis 9. August statt und ist für Menschen zwischen 15 und 35 Jahren gedacht, unabhängig von der Konfession. Die An- und Abreise erfolgt mit Bahn und Reisebus. Die Teilnahme kostet 230 Euro pro Person.  

Die Communauté Taizé

Roger Schutz-Marsauche, genannt Frère Roger, gründete den Ursprung der Communauté Taizé 1940 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges. In den 1960er Jahren gab es die ersten internationalen Jugendtreffen in Taizé. Heute gehören der Communauté laut deren eigener Website www.taize.fr/de/ rund 80 Brüder aus 30 Ländern und aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen an.
Frère Roger wurde 2005 im Alter von 90 Jahren von einer psychisch kranken Frau getötet.   Wiebke Barth