Klimaschutz ist kein Wohlfühlthema

Nachricht Hildesheim, 10. März 2026

Interview mit Christiane Meiners

Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen von Verantwortung, Gerechtigkeit und nachhaltigem Handeln. Die Religionspädagogin und Diakonin Christiane Meiners bringt Erfahrungen aus Bildungsarbeit, Diakonie und Organisationsentwicklung mit. Seit November 2025 leitet sie das Projekt „Friedensort Hildesheim – Lernen eine Welt zu sein“, das sich unter anderem mit öko-fairer Beschaffung in Kirchengemeinden und Einrichtungen befasst. Was sie antreibt, beschreibt sie ganz persönlich: Ihren Enkelkindern möchte sie „nicht nur Schrott hinterlassen“, sondern eine lebenswerte Welt.

Was verstehen Sie persönlich unter Bewusstseinsbildung?
Für mich bedeutet Bewusstseinsbildung, bewusster und achtsamer zu leben. Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen – auch unsere eigene Verstrickung in globale Prozesse – und daraus Verantwortung abzuleiten. Wissen allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass es sich im Alltag in konkreten Handlungen widerspiegelt.

Wann haben Sie zuletzt Ihr eigenes Verhalten aus Überzeugung verändert?
Heute früh.

Was motiviert Sie, sich mit Fairem Handel zu beschäftigen?
Fairer Handel ist ein konkreter Ansatzpunkt in einem globalen Zusammenhang. Ich bin überzeugt, dass wir durch unser Konsumverhalten etwas verändern können – auch durch die Marktmacht von Verbraucher*innen und Institutionen wie Kirchen. Gleichzeitig zeigt sich: Klimaschutz funktioniert nicht ohne globale Gerechtigkeit.

Wo beginnt Nachhaltigkeit im Alltag?
Ganz praktisch beim Einkaufen, bei Müllvermeidung, Mülltrennung und Recycling. Persönliches Handeln ist wichtig – aber ohne politische Entscheidungen und strukturelle Veränderungen wird es ebenfalls nicht gehen.

Wo darf Bewusstseinsbildung unbequem sein?
Eigentlich ist sie das fast immer. Es ist unangenehm zu erkennen, dass wir selbst Teil von Problemen sind, die unseren Planeten an seine Grenzen bringen. Noch unbequemer wird es, wenn daraus Konsequenzen folgen – etwa beim Konsum, bei Reisen oder beim Umgang mit Ressourcen. Klimaschutz ist kein Wohlfühlthema. Grundsätzlich versuche ich, unsere Unvollkommenheit als Menschen und als Geschöpfe Gottes auch mit Humor zu nehmen.

Was möchten Sie zum Thema „Eine Welt“ eigentlich nicht mehr erklären müssen?
Dass unser Konsum und unser Alltag direkt mit Fragen weltweiter Gerechtigkeit zusammenhängen – besonders mit den Lebensbedingungen im globalen Süden.

Welche Rolle spielen junge Menschen für Veränderungen?
Eine große. Das größte Veränderungspotenzial sehe ich bei den Menschen, die den größten Teil ihrer Zukunft noch vor sich haben.

Was bedeutet Fairer Handel für Sie konkret?
Fairer Handel steht für ein globales Fair Play: Produzent*innen erhalten einen verlässlichen Mindestpreis und damit bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Darüber hinaus geht es auch um öko-faire Beschaffung – also Produkte, die Ressourcen schonen und unter gerechten Bedingungen hergestellt werden.

Was macht Ihnen Hoffnung?
Dass fair gehandelte Produkte, Bio-Lebensmittel und umweltschonende Produkte heute immer häufiger in den Regalen großer Supermärkte zu finden sind. Dadurch wird es für viele Menschen einfacher, ihr Einkaufsverhalten zu verändern.

Woran erkennen Sie nachhaltige Veränderung?
Daran, dass neues Verhalten eingeübt wird und schließlich zur Routine wird – dass es zum neuen „Normal“ wird.

Interview: Heribert Schlensok