Am 24. Februar 2026 fand in der nahezu vollbesetzten St. Michaeliskirche ein ökumenisches Friedensgebet statt. Anlass war der vierte Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Vorgestellt wurde dabei eine kunstpädagogische Initiative in Charkiw, die Kindern hilft, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.
„Wie man den Wind der Träume fängt“ lautet der Titel der Kinderbilder, die in der Kirche präsentiert wurden. Sie setzten eindrucksvolle Zeichen gegen das Grau und Schwarz des Krieges – Bilder voller Hoffnung, Sehnsucht und Zuversicht.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entzündeten Kerzen als sichtbares Zeichen der Mahnung und Hoffnung.
Pastor Lutz Krügener spannte in seiner Predigt den Bogen von der Schöpfung bis zu den Friedensvisionen der Propheten. Er fragte:
„Woher kommt die Kraft, die uns träumen lässt?
Träume vom Frieden, vom Glück, die die Kinder auf Papier gebracht haben.
Bunte Farben gegen das Grau und Schwarz des Krieges.
So schaffen die Kinder Gegenbilder: zu Millionen Müttern, Vätern, Geschwistern, Ehefrauen, Kindern, die um ihre Getöteten und Verletzten trauern.
Zu Hass, der sich einbrennt und Generationen überdauern kann.
Zu Traumata, die ein Leben lang begleiten – zerstören.
Zu Umweltzerstörungen durch den Krieg.“
Starke Gegenbilder, so Krügener, fänden sich in der Bibel. Ganz am Anfang stehe der Auftrag Gottes:
„Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“
Uns sei ein Garten anvertraut, eine Welt, die es zu bewahren gelte.
Dann zitierte Pastor Krügener Worte Jesu aus der Bergpredigt:
„Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Nicht die Kriegsherren preise Jesus selig, sondern die Friedensstifter, betonte Krügener.
Schließlich verwies er auf die Vision der Propheten Jesaja und Micha:
„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.
Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen,
und niemand wird sie schrecken.“
Diese Gegenbilder gelte es wachzuhalten:
„Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen!
Diesen Wind, diesen Geist der Träume dürfen wir nicht aufgeben – um unserer Kinder willen.
Wir sollten den Wind unter der Haut spüren, so wie vielleicht heute.
Und uns davon beflügeln lassen für unser Eintreten für den Frieden.
Lasst uns den Wind der Träume fangen.“
Der ökumenische Friedensgottesdienst war eine gemeinsame Veranstaltung der evangelischen, katholischen und neuapostolischen Kirche in Hildesheim.
Für die Musik sorgten der Chor der Neuapostolischen Kirche sowie Michael Paland, Martin Fritz und Angelika Rau-Culo. Die Liturgie gestalteten Pastor Dirk Woltmann, Pfarrer Marcus Scheiermann, Priester Daniel Eggers und Pastor Lutz Krügener.
Von Heribert Schlensok