Ein Sprungturm im Kirchenschiff

Nachricht Hildesheim, 24. Februar 2026

Neue Intendantin Nina Göldner setzt im Literaturhaus auf Austausch und neue Formate

Hildesheim. Mitten im Raum ragt ein Sprungturm in die Höhe. Siebeneinhalb Meter über dem Boden endet er in einem Brett, das Erinnerungen weckt: an Chlorgeruch, an flirrende Sommertage, an den Moment kurz vor dem Absprung. Unter den hohen Fenstern der ehemaligen Kirche wirkt die Szene fast surreal. Die Installation spielt bewusst mit dem Kirchenraum und lädt dazu ein, vertraute Perspektiven zu verlassen.

Die Frau, die diesen Raum nun mit Programm füllen will, hat selbst schon einige Perspektivwechsel hinter sich: Nina Göldner. Aufgewachsen im Allgäu, studierte sie Medienwirtschaft und arbeitete zunächst als Projektmanagerin in der Filmbranche. Später wechselte sie ins Fundraising international tätiger Hilfsorganisationen, etwa für Ärzte ohne Grenzen. Seit Januar ist die 42-Jährige Intendantin des Literaturhauses in Hildesheim.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, die Rolle christlicher Spiritualität in der Gegenwart und Orientierung im Wahljahr 2026: „Diese Themen sind im Wahljahr 2026 besonders relevant“, sagt Göldner. Gemeinsam mit dem Team des Literaturhauses, darunter Literaturvermittlerin Maren Pfeifer, arbeitet sie derzeit am Programm der zweiten Jahreshälfte – mit niedrigschwelligen Angeboten für alle Altersgruppen.

Schreiben beginnt mit Fokussieren, mit genauem Beobachten, mit Sammeln. Lesungen und Gesprächsformate versteht das Literaturhaus als Foren, in denen Impulse und Ideen zusammenkommen. Neben klassischen Lesungen sind auch neue Formate geplant, etwa Workshops und ein Co-Writing-Space, bei dem Schreibende gemeinsam an Texten arbeiten können.

Das Literaturhaus war von Anfang an ein Ort für Diskussion. Es versteht sich weniger als Bühne denn als Denkraum, in dem Publikum, Autorinnen und Autoren miteinander ins Gespräch kommen.

Vielleicht passt der Sprungturm deshalb so gut in den Raum: Literatur beginnt manchmal ganz ähnlich: einen Schritt zurücktreten, hinaufsteigen und dann den Mut haben zu springen.

Von Heribert Schlensok