Was macht ein Schraubstock in der Kirche? Die kleine Werkbank im Chorraum der Andreaskirche gehört zu einer von sieben Installationen des Ökumenischen Jugendkreuzwegs. Gestaltet haben ihn Jugendliche. Mit Zange und Schraubstock können Besucherinnen und Besucher Kettenglieder aufbiegen – ein starkes Symbol dafür, „Gefangensein“ zu überwinden und Fesseln zu sprengen.
Unter dem Leitwort „dahinter. Tiefer sehen, weiter gehen“ ist eine interaktive Ausstellung mit sieben Stationen entstanden. Schülerinnen und Schüler, Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie eine Frauengruppe des Diakonischen Werks haben sich intensiv mit den Themen des Kreuzwegs auseinandergesetzt und ihre Gedanken kreativ umgesetzt.
Wann fühle ich mich eigentlich verstanden?
Diese Frage steht am Anfang vieler Stationen. Die Frauengruppe des Diakonischen Werks hat Erfahrungen zu Migration und Flucht eingebracht. QR-Codes führen zu aufgezeichneten Berichten – persönliche Geschichten, die von Ausgrenzung, Hoffnung und Neubeginn erzählen.
Verloren
Umgestürzte Stühle, ein zerbrochener Spiegel, das Gefühl von Chaos: Die Station „Verloren“ lädt dazu ein, über eigene Erfahrungen des Verlorenseins nachzudenken. Besucherinnen und Besucher können ihre Sorgen aufschreiben und symbolisch abgeben.
Abgestempelt
Wie fühlt es sich an, wenn jemand mit dem Finger auf uns zeigt? Wenn wir abgestempelt werden? Am Boden hockt eine Puppe, als Bettler verkleidet. Sie bietet „Glückskekse“ an. Die Szene fordert dazu heraus, genauer hinzuschauen und vorschnelle Urteile zu hinterfragen.
Angenommen
Ein Parcours, der bewusst schwierig zu gehen ist, erinnert an den schweren Weg Jesu. Wer ihn probiert, trägt zusätzlich Steine in den Händen – auch sie stehen für Sorgen und Lasten. Am Ende können sie an ein großes Kreuz gehängt werden.
Wo finden wir Unterstützung?
Eine Station widmet sich der Frage nach Orten der Hilfe. Eine Küche mit gedecktem Tisch symbolisiert Gemeinschaft. Auf Tellern stehen Fragen, etwa: Wie kannst du eine Person in deinem Umfeld unterstützen?
Gedanken dazu werden auf kleine Zettel geschrieben und an einen großen WG-Kühlschrank geheftet – als sichtbares Zeichen gelebter Solidarität.
Dahinter – tiefer sehen – weiter gehen
Diakonin Katrin Bode vom Kirchenkreisjugenddienst hat die Ausstellung federführend organisiert. Sie sagt: „Nicht an der Oberfläche stehen bleiben, sondern genauer hinsehen: Was steckt wirklich hinter einer Geschichte, hinter einem Menschen, einem Schicksal? Dazu geben die Arbeiten der Jugendlichen ungewöhnliche Impulse.“
Weitergehen heiße nicht wegzuschauen, sondern im Vertrauen darauf, dass Jesus Christus begleitet und trägt, zu handeln. „Der Jugendkreuzweg lädt dazu ein, hinzuschauen, wo es weh tut. Er fordert heraus, tiefer zu sehen, wie es Menschen um uns herum geht – und weiterzugehen mit dem Segen Gottes.“
Beteiligte und Termine
Beteiligt sind die Elisabeth-von-Rantzau-Schule, die Robert-Bosch-Gesamtschule, die Neuapostolische Gemeinde, die Martin Luther-Gemeinde sowie das Projekt „Frauen gemeinsam in die Zukunft“ des Diakonischen Werkes.
Der Kirchenkreisjugenddienst bietet bis zum 18. März 2026 Führungen für Schulklassen, Konfirmanden- sowie für Erwachsenengruppen an.
Kontakt: Kirchenkreisjugenddienst, Telefon 05121/2963630 oder E-Mail: kkjd.hildesheim-sarstedt@evlka.de
Von Heribert Schlensok