"Meine Augen sehen stets auf den Herrn" – Drei Fragen an Pröpstin Martina Helmer-Pham Xuan

Nachricht Hildesheim, 09. März 2026

Anlässlich des Jahresfestes der Hildesheimer Blindenmission am 8. März 2025 haben wir Pröpstin Martina Helmer-Pham Xuan gefragt, was das Bibelwort „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“ heute bedeutet – und was Hoffnung für Kirche und Mission gibt.

1. „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“. Was bedeutet dieses Bibelwort für Sie persönlich – gerade bei einem Anlass, bei dem es um Menschen geht, die nicht sehen können?

Ich glaube, dieses Wort gilt für Sehende und Nichtsehende gleichermaßen. Mit den „Augen“ ist hier vor allem Vertrauen gemeint: Worauf richte ich meinen Blick? Auf Vergangenes, auf eine ungewisse Zukunft oder auf die Sorgen unserer Zeit?

Das Bibelwort erinnert mich daran, mich nicht von Ängsten bestimmen zu lassen. Wie ein Kompass weist es darauf hin, dass Gottes Versprechen trägt – gestern, heute und morgen. Darauf vertraue ich: dass Gott unsere Schritte frei macht für neue Wege.

2. Sie haben viele Jahre Verantwortung in der Kirche getragen. Was gibt Ihnen heute Hoffnung für die Zukunft von Kirche und Mission?

Unsere Kirche steht vor großen Veränderungen. Demografische Entwicklungen und knapper werdende Ressourcen fordern uns heraus, neue Wege zu gehen. Das ist nicht immer leicht und kann auch schmerzhaft sein.

Hoffnung gibt mir dabei ein Wort von Martin Luther: „Nicht wir erhalten die Kirche – Gott selbst tut es und bleibt bei uns bis ans Ende der Zeit.“ Diese Zuversicht hat mich immer ermutigt, neue Formen für die Verkündigung des Evangeliums zu entdecken, mit der unsere Kirche und unsere Mission Gestalt gewinnen.

3. Wenn Menschen die Arbeit der Hildesheimer Blindenmission unterstützen wollen: Was ist dabei – außer Geld – besonders wichtig?

Finanzielle Unterstützung ist wichtig. Aber ebenso bedeutend ist die Bereitschaft, sich auf andere Menschen und Lebenswirklichkeiten einzulassen.

Menschen in Ländern wie den Philippinen, Indonesien oder Myanmar zeigen uns, dass auch im Verwundetsein besondere Gaben liegen können. In Solidarität miteinander unterwegs zu sein, füreinander zu beten und sich als Teil der weltweiten Gemeinschaft von Gottes Kindern zu verstehen – das öffnet im wahrsten Sinne die Augen.

Interview: Heribert Schlensok