Bericht von der Synode

Nachricht Hildesheim, 10. Juni 2026

Zukunftsprozess gestartet: Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt plant bis 2040 und erarbeitet Gebäudebedarfsplan für Kirchen

Dr. Janis Berzins & Anke Garhammer-Paul
von links: Dr. Janis Berzins, Anke Garhammer-Paul (Foto: Gunnar Müller)

Hildesheim. Die Mitglieder der Kirchenkreissynode Hildesheim-Sarstedt haben einen Zukunftsprozess für die kommenden Jahrzehnte auf den Weg gebracht. Das Kirchenparlament des evangelischen Kirchenkreises richtete eine Steuerungsgruppe ein und unterstützte das Verfahren für einen Gebäudebedarfsplan der Sakralgebäude. Die stellvertretende Superintendentin Anke Garhammer-Paul machte die Herausforderung deutlich: „Die zentrale Frage lautet: Wie können wir kirchliches Leben und Gemeindearbeit in Zukunft gestalten?“ Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen diskutierten die Synodalen über künftige Strukturen, Gebäude und personelle Perspektiven des Kirchenkreises.

Mit einem Perspektivprozess wollen die Verantwortlichen die Weichen für die Entwicklung des Kirchenkreises bis zum Jahr 2040 stellen. Im Mittelpunkt stehen künftige Strukturen, die Zusammenarbeit und neue Formen kirchlicher Arbeit. Eine neu gebildete Steuerungsgruppe soll den Prozess vorbereiten und begleiten.

In vielen Regionen werde derzeit intensiv darüber beraten, wie Zusammenarbeit künftig aussehen könne und welche Strukturen langfristig tragfähig seien, berichtete Garhammer-Paul. So beschloss die Region Süd zuletzt ihre Fusion zum 1. Januar 2027.

Ein eigenes Zukunftsthema sind die Sakralgebäude: Der Kirchenkreis muss auf Vorgabe der Landeskirche einen Gebäudebedarfsplan für seine Kirchen erarbeiten. Dabei sollen alle Kirchen kategorisiert werden. Die Einstufung entscheide künftig darüber, in welchem Umfang finanzielle Unterstützung für Erhalt und Sanierung möglich sei.

Der stellvertretende Superintendent Dr. Janis Berzins machte deutlich, dass es dabei zunächst nicht um Kirchenschließungen gehe. „Gebäudebedarfsplan heißt also noch nicht: Wir trennen uns von einer Kirche“, betonte er.

Der Gebäudebedarfsplan sieht vor, dass die Kirchengemeinden nach den Sommerferien ihre Kirchen anhand verschiedener Kriterien bewerten. Berücksichtigt werden unter anderem Nutzung, Zustand und Zukunftsperspektiven der Kirchen. Im Februar 2027 sollen die Ergebnisse auf einem gemeinsamen Klausurtag aller Regionen beraten werden. Ein endgültiger Beschluss über den Gebäudebedarfsplan ist für die Synode im Sommer 2027 vorgesehen.

Dennoch werde sich der Kirchenkreis angesichts sinkender finanzieller und personeller Ressourcen langfristig von bisherigen Selbstverständlichkeiten verabschieden müssen. Nach Einschätzung von Berzins sei in den kommenden zehn bis 15 Jahren mit einem Rückgang der verfügbaren Ressourcen um rund 30 Prozent zu rechnen.

Uwe Schelske
Uwe Schelske, Vorsitzender des Stellenplanungs- und Finanzausschusses (Foto: Gunnar Müller)

Parallel dazu beschäftigt den Kirchenkreis die personelle Entwicklung. In mehreren Regionen bestehen Vakanzen, weitere Ruhestände stehen bevor. Garhammer-Paul berichtete, dass selbst attraktive Stellen inzwischen deutlich schwerer zu besetzen seien als noch vor wenigen Jahren. Um Ausfälle besser auffangen zu können, werde die Einrichtung einer zusätzlichen befristeten Springer-Stelle geprüft. Die Entscheidung darüber soll die Synode voraussichtlich bei ihrer nächsten Sitzung treffen.

Auch die Prävention sexualisierter Gewalt bleibt ein wichtiges Thema. Eine bereits beschlossene Fachkraftstelle zur Koordinierung des Bereichs konnte bislang nicht besetzt und muss erneut ausgeschrieben werden. Zugleich verwies Berzins auf laufende Präventionsschulungen für Haupt- und Ehrenamtliche. Besonders Personen, die mit Kindern, Jugendlichen oder anderen Schutzbefohlenen arbeiten, seien aufgefordert, die Angebote wahrzunehmen.

Finanziell steht der Kirchenkreis – auf den ersten Blick – besser da als erwartet. Die Synode stellte den Jahresabschluss 2025 einstimmig fest. Der Haushalt weist einen Überschuss von rund 374.500 Euro aus. Nach Darstellung des Finanzausschussvorsitzenden Uwe Schelske ist dieses Ergebnis jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig. Hintergrund seien vor allem verschobene Personalkosten nach dem Wechsel mehrerer Diakoninnen und Diakone in die Anstellungsträgerschaft der Landeskirche sowie zahlreiche unbesetzte Stellen. „Wenn man die Sondereffekte herausrechnet, landet man vermutlich ungefähr bei einer schwarzen Null“, sagte Schelske.

Trotz des ausgewiesenen Überschusses machte die Synode deutlich, dass die kommenden Jahre von schwierigen Entscheidungen geprägt sein werden. Mit dem Zukunftsprozess und dem Gebäudebedarfsplan hat der Kirchenkreis nun zwei zentrale Projekte gestartet. Sie sollen klären, wie kirchliche Arbeit, Gebäude und Strukturen trotz schrumpfender Ressourcen langfristig tragfähig bleiben.