„KI – wer denkt hier eigentlich (noch)?“ Mit dieser Vortragsveranstaltung traf der Bildungs- und Schulausschuss des Kirchenkreises am Dienstag, 6. Oktober, einen Nerv: Rund 75 Interessierte kamen im Gemeindesaal der Lamberti-Kirchengemeinde zusammen, um über Chancen, Gefahren und ethische Fragen Künstlicher Intelligenz ins Gespräch zu kommen. Denn KI durchdringt immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft und wirft dabei viele Fragen auf.
Als Referent war Dr. Karl Teille von der Evangelischen Agentur aus Hannover zu Gast. Der Informatiker arbeitet seit 2024 als Referent für Künstliche Intelligenz und Ethik. Zuvor war er rund zwanzig Jahre bei Volkswagen tätig und leitete dort auch Projekte im Bereich KI.
Teille begann seinen Vortrag mit einem Blick weit zurück in die Menschheitsgeschichte. Die Vorstellung, Menschen könnten Wesen erschaffen, die ihnen ähneln oder gar ein eigenes Bewusstsein entwickeln, sei keineswegs neu. Mit technischen Fortschritten seien seit jeher große Hoffnungen, aber auch Ängste verbunden: Untergangsszenarien stünden neben Erlösungs- und Heilsphantasien. All das träfe umso mehr auf die Nutzung von KI zu, einer digitalen Technologie, die sich exponentiell weiterentwickelt.
Eine allgemein akzeptierte, eindeutige Definition menschlicher Intelligenz gebe es nicht. Sicher sei jedoch: KI bilde nur einen Teil davon ab. Sie habe außerdem keine eigene Verantwortung, keine Werte und keine Interessen.
Im weiteren Verlauf seines umfangreichen Vortrags standen auch ethische Fragen im Mittelpunkt. Dabei ging es unter anderem um die Frage, nach welchen ethischen Maßstäben KI-Systeme trainiert werden und welche problematischen Bilder von Menschen, Geschlechtern und gesellschaftlichen Rollen sie möglicherweise verfestigen. KI kann missbraucht werden; sie kann aber auch sinnvoll unterstützen. Entscheidend seien immer die Menschen, die sie entwickeln, einsetzen und durch ihre Eingaben und Vorgaben steuern.
Nach einer Stärkungspause konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer eigene Fragen stellen. Außerdem gab Teille Tipps für zielführende Eingaben, sogenannte Prompts: Wichtig sei es, bei der Formulierung solcher Prompts unter anderem Zielgruppe, Sprachstil, Umfang und gewünschte Form klar zu benennen. Auf diese Weise erhalte man passgenauere Antworten. Sein wichtigster Hinweis lautete jedoch, Ergebnisse niemals ungeprüft zu übernehmen. Am besten habe man selbst Ahnung von dem Thema, zu dem man KI befrage oder mit dessen Bearbeitung man sie beauftrage. Auf diese Weise ließen sich Fehler und unpassende Ergebnisse der KI am ehesten erkennen.
Für die kirchliche Arbeit brauche es einen besonders verantwortungsvollen Rahmen. Teille verwies unter anderem auf ELOKI, eine in der Entwicklung befindliche kirchliche KIPlattform, die einen datenschutzkonformen Einsatz ermöglichen soll. Transparenz, der Schutz persönlicher Daten und die Bewahrung der Schöpfung seien wichtige Maßstäbe für die Kirche. Wenn Kirche KI nutze, solle dies zum Wohl von Mensch und Gesellschaft erfolgen. Zugleich dürfe KI nicht mit religiösen Heilserwartungen aufgeladen werden.
Am Ende des Abends blieb auch die Erkenntnis: KI kann ein Werkzeug sein – denken, entscheiden und Verantwortung übernehmen müssen weiterhin wir Menschen.
Mit viel Applaus und vielen neuen Gedanken im Kopf endete die Veranstaltung.